Perfektionismus versus Lebensqualität

 

Ein Thema das ich mit meinen heutigen Gästen im Talk mit Wein diskutieren möchte. Da ist als erstes Carmen Reuter, Buchautorin, Kommunikationstrainerin und Coach, herzlich willkommen Carmen. Als zweiter Gast ist Pierre Morzinkowski bei mir, als Food and Beverage Manager kennt er die Luxushotels dieser Welt und kann viel vom dortigen Perfektionismus berichten. Heute ist er Inhaber des Online-Weinhandels Next Generation Wine und genießt deutlich mehr Lebensqualität. Herzlich willkommen lieber Pierre.

Ich bin Bettina Haller Betreiberin der Online Erlebniswelt trendworks and friends.

Starten wir gleich mit der ersten Frage an Carmen:

Frage# Woher kommt eigentlich der Wunsch nach Perfektionismus?

Carmen:

Ich sage immer I´m a recovering Perfektionist also genesende Perfektionistin. Ich kenne das Thema in- und auswendig. Es ist der Versuch alles richtigzumachen, keine Fehler zuzulassen, nicht bestraft zu werden, auf alle Fälle den Blumentopf zu gewinnen. Das ist höllisch anstrengend.

Als ich noch in der Vollblüte meines Perfektionismus war, litt ich unter Migräne. Diese Migräne verschwand, als ich verstand, dass die Welt nicht stehen bleibt, wenn ich mal nichts mache. Daher ist Perfektionismus wirklich ein Thema von mir. Die andere Seite – Lebensqualität – über die wir heute sprechen wollen, wird natürlich sofort torpediert, sabotiert von jedem Gedanken an Perfektionismus.

Perfektionismus ist nicht das streben, etwas qualitativ hochwertig zu machen. Perfektionismus ist es, meinen eigenen Wert daran zu messen, eine perfekte Leistung erbracht zu haben.

Frage# Immer mehr Menschen bezeichnen sich selber als perfektionistisch, mit dem Gefühl, es sei etwas Gutes. Weißt du, wann das begann?

Carmen:

Es gibt Studien, die sich mit dem Thema befassen und man weiß heute, dass seit den 80ern der Perfektionismus extrem zugenommen hat. Ich sehe einen Zusammenhang mit den sozialen Medien, da ist der Perfektionismus exponentiell in die Höhe geschossen. Wir präsentieren uns laufend öffentlich und stellen uns den Bewertungen fremder Menschen. Seither dreht sich alles um Selbstoptimierung. Ich muss schön sein, wunderbar sein, sportlich – all das spielt hier mit rein. Ich muss überall Leistung bringen und wenn ich keine Topleistung erbringen kann bin ich ein Flop. Das wird auch bei jüngeren Menschen deutlich, die von zu Hause alles mitbekommen haben, die wollen alles zurückgeben. Damit verrennen sie sich in dieses „Ich muss alles richtig machen“. Aber wer sagt denn, was alles richtig ist?

Wer sich nur an den gesellschaftlichen Vorgaben orientiert und versucht allen gerecht zu werden geht an seinem eigenen Leben und damit Lebensqualität vorbei, oder?

Bettina:

Ich finde das ganz schwierig, denn ein Leben besteht doch aus try and error. Mir hat ein Chef in jungen Jahren gesagt: Nichts ist schlimmer, als Menschen die keine Fehler machen. Du darfst jeden Fehler machen, doch nur einmal, dann solltest du daraus gelernt haben. Wer keine Fehler macht, trifft auch keine eigenen Entscheidungen, scheidet also als Führungskraft aus. Fragen wir Pierre was er zum Thema denkt.

 

Frage# Was hat Perfektion mit Wein zu tun?

Pierre:

Generell möchte ich sagen, es gibt keinen perfekten Wein. Wein ist Geschmackssache, Wein ist Gefühlssache. Wein und sein Geschmack wird stark beeinflusst durch die aktuelle Lebenssituation. Im Urlaub schmeckt er anders als zu Hause, auch in Zweisamkeit oder in geselliger Runde schmeckt Wein gefühlt anders. Daher gibt es keinen perfekten Wein. Aber den perfekten Moment mit Wein, den gibt es ganz sicher, wenn er zur Stimmung passt und diese widerspiegelt.

Bettina:

Du hast das gerade sehr zahm ausgedrückt. Wenn ich die Bilder von dir auf der Website ansehe, da stehst du auch schon mal mit einer Flasche Wein in Gummistiefeln im Weinberg mit dem Weinkorken zwischen den Zähnen. Du willst damit ja ein ganz anderes Lebensgefühl ausdrücken. Ich komme aus einer Zeit in der man Wein dekantiert, das passende Glas wählt und sich vorm Trinken die Lippen abtupft, damit das Glas keine Lippenstiftreste abbekommt.

Frage# Du willst andere Werte vermitteln. Wie spiegelt sich das in deinen Weinen wider?

Pierre:

Für mich ist Wein ein absolutes Lifestyle Produkt. Genießen steht im Vordergrund und nicht mehr die verstaubten Konventionen der Großeltern. Wein muss unkompliziert sein, er ist zum Trinken da und muss schmecken. Das sind die neuen Werte, die ich lebe. Ich bin von meinen Weinen überzeugt, es sind meine Lieblingsweine. Das sind Weine von Winzern, die ich persönlich kenne, mit denen es tolle Gespräche gab, die selber schöne Storys haben. Man ist zusammen gekommen, denn das ist es, was Wein macht – er bringt Menschen zusammen.

Bettina:

Das ist genau der Hintergrund für den Namen dieser Serie „Talk mit Wein“. Wein trinkt man nicht so auf die schnelle, man nimmt sich Zeit, mit Freunden. Mal philosophiert man, mal leicht angeschickert kommt man aus dem Lachen nicht raus. Talk mit Wein steht generationenübergreifend für Lebensqualität.

Damit wieder zu dir Carmen:

Frage# Du willst Menschen ein Leben nach eigener Fasson vermitteln. Was bedeutet das?

Carmen:

Ich nenne das Leben aus erster Hand. Ganz viele Menschen verlernen im Laufe des Lebens ihrem eigenen inneren Kompass zu folgen. Sie haben vergessen, was sie wirklich wollen. Passiert das zum Ende der Schulzeit hin, schaue ich mich um, wo habe ich gute Noten, wo kann ich viel verdienen, wie kann ich ins Geschäft der Eltern eintreten. Das heißt man orientiert sich an dem, was gesellschaftlich angesehen ist, denn das muss ja richtig sein. Darauf baut man sich dann sein Leben auf. Um die 40 kommen dann die Klienten zu mir und sagen: eigentlich ist mein Job gut, eigentlich ist meine Beziehung in Ordnung, eigentlich sind meine Kinder ok. Dieses „eigentlich“ Leben hat einen Mangel. Diesen Mangel herauszufinden, zu entdecken, was man wirklich will, das ist Inhalt meiner Coachings.

Das ist meine Leidenschaft, wie es für Pierre der Wein ist. Ich will herausfinden, was ist der innere Bauplan. Eine Eiche weiß, sie ist eine Eiche. Die will auch nichts anderes sein. Sie kann nur in einem falschen Umfeld aufwachsen und dort verkümmern, statt zu einem großen stattlichen Baum zu wachsen. Es kann aber immer sein, dass sich im Umfeld etwas ändert, z.B. wird etwas gerodet, und auf einmal wächst sie unglaublich.

Entscheiden ist: Der eine hat einen Bauplan für eine Eiche, der Zweite für eine Buche, der Dritte für ein Gänseblümchen. Das herauszufinden macht uns zufrieden. Es geht nicht um gesellschaftliche Anerkennung, sondern um – was brauche ich?!

Bettina:

Gesellschaftlich wandelt sich gerade etwas, man sagt die Generation Z ist wieder viel konservativer, werteorientierter, als die XY. Wir stammen ja aus der leistungsorientierten Generation der Babyboomer, unsere Eltern lobten für Leistung, alles andere lief (aufgrund ihrer Geschichte) eher so beiläufig. Daher will man immer höher, schneller weiter. Was macht da der Perfektionismus mit uns. Er verklemmt einen, weil man immer über Regeln nachdenkt, statt einfach zu sein, wer man ist. Loslassen der perfektionistischen Motive, die eher für Unsicherheit stehen, führt zu größerer Zufriedenheit. Wenn ich die gesellschaftlichen Regularien nicht mehr benötige, kann ich unbeschwerter Leben…

Der Talk geht noch 20 Minuten weiter. Hast du Lust ihn bis zum Ende zu verfolgen?

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